Am 22. August 2026 sang ich Piacere in Händels Il trionfo del Tempo e del Disinganno – ein sehr besonderes Konzert mit dem Freiburger Barockorchester unter der Leitung von Attilio Cremonesi.

©Amir Kaufmann

OperaWire – Mengguang Huang – 26.08.2026

“Soprano Kateryna Kasper as Piacere made her Innsbruck Festival debut with a daring, risk-taking interpretation. Delivering explosive renditions of the flamboyant arias, she expanded the dynamic contrast between A and B sections of arias considerably beyond last year’s performances. In the da capo (A’) sections, she engaged in radical embellishment—employing chiselled micro-meter changes and sweeping rephrasing—backed by a solid, full-bodied timbre that generated an intense dramatic force. Her psychological portrayal matched Im’s depth: she lured Bellezza with persuasive charm, guiding her across the whole stage to showcase a world of fleeting pleasure.

When she realized her hold on Bellezza was slipping (during the aria “Tu giurasti di mai non lasciarmi”), Kasper poured out her anguish in wide dynamic arcs over the icy, heavily dotted rhythms of the strings, arriving at a choked intensity where speech itself seemed on the verge of breaking down. In the most famous aria recycled later in Rinaldo, her noble delivery and speech-like rhetoric over a brilliant harpsichord accompaniment elevated the music well beyond mere surface beauty. Her exit aria, “Come nembo che fugge col vento”—flanked by the virtuoso playing of the two concertmasters—mirrored the libretto’s tempestuous image of a storm cloud driven off by the wind. Delivering a final, desperate plea that swept through the hall like a whirlwind, it was capped by a flawlessly controlled long crescendo.

The duets between Im and Kasper were a marvel of vocal alchemy—one free and spontaneous, the other solid and lush—bound by a deep artistic synergy and genuine spiritual connection that resonated throughout the hall.”

Übersetzung: “Die Sopranistin Kateryna Kasper als Piacere gab ihr Debüt bei den Innsbrucker Festwochen mit einer wagemutigen, risikofreudigen Interpretation. Mit ihren explosiven Darbietungen der flamboyanten Arien erweiterte sie den dynamischen Kontrast zwischen A- und B-Teil der Arien beträchtlich über das hinaus, was in den Aufführungen des vergangenen Jahres zu hören gewesen war. In den Da-capo-Teilen (A’) widmete sie sich einer radikalen Auszierung – mit präzise herausgemeißelten Veränderungen im Mikrometrum und weitgreifenden Neuformulierungen der Phrasierung –, getragen von einem kräftigen, vollmundigen Timbre, das eine intensive dramatische Kraft erzeugte. Ihre psychologische Darstellung erreichte dieselbe Tiefe wie die von Im: Sie lockte Bellezza mit überzeugendem Charme, führte sie über die gesamte Bühne und zeigte so eine Welt des flüchtigen Vergnügens. Als sie erkannte, dass ihr Einfluss auf Bellezza nachließ (während der Arie „Tu giurasti di mai non lasciarmi“), ließ Kasper ihre Verzweiflung in weiten dynamischen Bögen über den eisigen, stark punktierten Rhythmen der Streicher ausströmen und erreichte dabei eine erstickte Intensität, bei der die Sprache selbst am Rand des Zerbrechens zu stehen schien. In der berühmtesten Arie, die später in Rinaldo wiederverwendet wurde, erhoben ihr edler Vortrag und ihre sprachähnliche Rhetorik über einer brillanten Cembalobegleitung die Musik weit über bloße äußerliche Schönheit hinaus. Ihre Auftritts-/Abgangsarie „Come nembo che fugge col vento“ – flankiert vom virtuosen Spiel der beiden Konzertmeister – spiegelte das stürmische Bild des Librettos von einer vom Wind davongetriebenen Gewitterwolke wider. Mit einem letzten, verzweifelten Flehen, das wie ein Wirbelwind durch den Saal fegte, wurde die Arie von einem vollkommen kontrollierten langen Crescendo gekrönt. Die Duette zwischen Im und Kasper waren ein Wunder vokaler Alchemie – die eine frei und spontan, die andere solide und üppig –, verbunden durch eine tiefe künstlerische Synergie und eine echte geistige Verbindung, die im gesamten Saal spürbar war.”

Crescendo Magazine – Xavier Rivera – 24. August 2026

“Du côté des solistes, une découverte saisissante dénommée Kateryna Kasper, une soprano ukrainienne établie en Allemagne, dont la discographie est déjà assez nourrie, en compagnie de pointures comme Joana Mallwitz, Sebastian Weigle ou René Jacobs avec son controversé « Der Freischütz ». Son répertoire va du baroque au « lied » romantique ou au polonais Weinberg, et cela se comprend car sa voix est remarquable dans toute la tessiture : ce rôle de « Piacere » aurait parfaitement convenu à un mezzo-soprano et cela ne lui pose aucun problème, ni dans l’extrême grave, ni dans la brillance de l’aigu. Enfin, ses qualités d’interprète montrent un engagement émotionnel splendide, servi par une voix merveilleusement mielleuse, brillante ou moirée selon les instants, et par une intelligence musicale étonnante qui lui permet d’improviser des ornementations d’un goût excellent et parfois très hardies. Son air « Un leggiadro giovinetto » fut inoubliable, autant que « Lascia la spina ».”

Übersetzung: “Unter den Solisten findet sich eine überwältigende Entdeckung namens Kateryna Kasper, eine ukrainische Sopranistin, die in Deutschland lebt und deren Diskografie bereits recht umfangreich ist, mit Größen wie Joana Mallwitz, Sebastian Weigle oder René Jacobs […]. Ihr Repertoire reicht vom Barock über das romantische „Lied“ bis hin zum polnischen Weinberg, und das ist durchaus verständlich, denn ihre Stimme ist über die gesamte Tessitura hinweg bemerkenswert: Die Rolle des „Piacere“ hätte einer Mezzosopranistin vollkommen entsprochen, und das bereitet ihr keinerlei Schwierigkeiten – weder in der extremen Tiefe noch im Glanz der Höhe. Schließlich zeigen ihre interpretatorischen Qualitäten ein großartiges emotionales Engagement, getragen von einer Stimme, die je nach Augenblick wunderbar honigartig, strahlend oder schillernd ist, sowie von einer erstaunlichen musikalischen Intelligenz, die es ihr ermöglicht, Verzierungen mit ausgezeichnetem Geschmack und bisweilen großer Kühnheit zu improvisieren. Ihre Arie „Un leggiadro giovinetto“ war ebenso unvergesslich wie „Lascia la spina“.“